Michael Harms photographiert.. l Sprechender Wald - Kaserne Krampnitz

Sprechender Wald - Kaserne Krampnitz

Im Juni 2010 erkundete ich das zuletzt vom russischen Militär genutzte Kasernengelände in Krampnitz bei Potsdam. Auf dem Rückweg von meinem ersten Besuch dort bemerkte ich am Strassenrand etwas sehr Beeindruckendes. In viele der Buchenstämme waren kyrillische Schriftzeichen eingeritzt. Bei genauerer Betrachtung waren unzählige Bäume, in die Jahreszahlen und Namen, teilweise auch Ortsnamen hineingeritzt waren. Den Jahreszahlen nach geschah dies in der Zeit zwischen 1955 und 1990. In den Kasernen gab es viel zu sehen und weitere Besuche dort folgten. Auch in den verfallenen Gebäuden am Rande des Militärgeländes entdeckte ich an den Wänden vergleichbare Inschriften.

Auf den ersten Blick sind diese Einritzungen vielleicht nichts so aussergewöhnliches, aber die Vorstellung, dass dort im Wald und in den Ruinen einsame russische Soldaten sich mit Namen und Angaben über den Zeitraum des Aufenthaltes, bzw. dem Jahr der erwarteten Rückkehr verewigten, das beeindruckte mich sehr. Oft findet man vergleichbare in Bäume geritzte Zeichen von Liebespaaren. Hier waren es sehr oft junge Männer, die in einem fremden Land fernab der Heimat auf die Rückkehr warteten. Die hinterlassenen Namen und Zahlen sind Zeugen ihrer Zeit in Deutschland und zeugen auch von der Freude über die Rückkehr in die Heimat.

Ich überlegte, wie ich diese Bäume mit den Inschriften nicht nur photographisch, sondern noch in anderer Form dokumentieren bzw. wiedergeben könnte und so entwickelte sich die Idee die Bäume mittels Frottagen wiederzugeben. Durch diese Technik war es möglich, die Schriften ohne störende Rundungen abzubilden.

Berlin September 2010


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